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19.06.2020

Langjährige Leiterin des Immanuel Haus Molkenberg Anita Drawer geht in den Ruhestand

Anita Drawer baute vor 28 Jahren die erste Wohnstätte der Region für Menschen mit Suchterkrankungen auf. Ihr Fokus: Menschen mit sinnstiftender arbeits- und sozialtherapeutischer Beschäftigung Halt geben.

Anita Drawer blickt auf 28 Dienstjahre für das Immanuel Haus Molkenberg zurück.

Nach 28 Dienstjahren als Leiterin des Immanuel Haus Molkenberg ist Anita Drawer am 19. Juni in den Ruhestand verabschiedet worden. Ihr Name ist eng verbunden mit der Wohnstätte für Menschen mit Suchterkrankungen im Landkreis Oder-Spree. Sie baute die Einrichtung und ein hoch qualifiziertes Mitarbeiterteam auf, erweiterte kontinuierlich die arbeits- und sozialtherapeutischen Angebote, schuf im Umfeld Akzeptanz für langjährig alkohol- und suchtkranke Menschen und etablierte das Haus in der Dorfgemeinschaft.

„Anita Drawer hat sich um die sensible, ganzheitliche und sinnstiftende Begleitung von Menschen mit Suchterkrankungen sehr verdient gemacht. Es ist ihr in eindrücklicher Weise gelungen, vielen Menschen mit einer Alkoholerkrankung im Haus Molkenberg ein Zuhause zu bieten. Sie hat sie immer angenommen, wie sie sind und ihnen neue Perspektiven für ihr Leben eröffnet. Wir danken Anita Drawer für ihren außerordentlichen Einsatz und wünschen ihr für die Zukunft alles Gute“, sagt Herbert Blum, Geschäftsführer der Trägergesellschaft Immanuel Miteinander Leben, die zur Immanuel Albertinen Diakonie gehört.

Ein Zuhause für langjährig sucht- und alkoholerkrankte Menschen


Dass sie ihre Erfüllung in der Begleitung alkohol- und suchtkranker Menschen finden würde, ahnte Anita Drawer zu Beginn ihres Berufslebens nicht. Nach dem Studiengang der Wirtschaft und Soziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin arbeitete sie noch zu DDR-Zeiten in der Wirtschaft. Weil dies nach der Wiedervereinigung nicht mehr möglich war, machte sie auf Anregung des Arbeitsamtes eine Ausbildung zur Sozialtherapeutin mit dem Schwerpunkt Sucht und entdeckte so ihre Berufung.

Nach der Ausbildung arbeitete sie im Krankenhaus Rüdersdorf im Bereich Suchtbehandlung und Entzug. Als die Immanuel Diakonie das Krankenhaus in Rüdersdorf 1992 übernahm, wurde sie von der Geschäftsführung gefragt, ob sie in der Nähe in Molkenberg eine Wohnstätte für langjährig suchterkrankte Menschen aufbauen wolle, weil es Angebote dieser Art bis dahin im Osten Deutschlands nicht gab.

Ergänzende ambulante Betreuung aufgebaut


Im Juni 1992 nahm sie die vorbereitende Arbeit auf, 1993 konnte das Immanuel Haus Molkenberg im Landkreis Oder-Spree eröffnen. Anita Drawer begann mit einem engagierten Team von Quereinsteigern, das sich nach und nach in der Heilerziehung und Suchtherapie fortbildete. „Heute haben die Mitarbeitenden einen sehr hohen Qualifizierungsstand“, sagt Anita Drawer.

Um das Angebot zu verbessern, bezog die Einrichtung 2001 ein neues Haus mit 30 Plätzen, das mit Therapieräumen und Einzelzimmern genau auf die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner zugeschnitten war und ganz neue Möglichkeiten für den ganzheitlichen, arbeits- und sozialtherapeutischen Ansatz schuf.

Gesina Schwieger ist Nachfolgerin


2004 baute Anita Drawer mit ihrem Team das ambulante betreute Wohnen mit zehn eigens gebauten Wohnungen auf, um ein Wohnmilieu für ehemalige Bewohnerinnen und Bewohnern zu schaffen, das Nüchternheit unterstützt. 55 psychisch und vor allem suchterkrankte Menschen betreut das Immanuel Haus Molkenberg heute ambulant. Gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern des Hauses hat Anita Drawer zudem Pläne für eine Tagesstätte entwickelt, um auch Menschen außerhalb eine Tagesstruktur zu geben.

„Die Möglichkeiten für unsere Klienten, die durch die langjährige Alkoholerkrankung unterschiedlich stark beeinträchtigt sind, wieder in ein normales Leben zurückzukehren und am Leben teilzuhaben, sind im Laufe der Zeit leider immer schlechter geworden. Die Ansprüche im Beschäftigungsfeld sind enorm gestiegen, einfache Arbeitsplätze fallen immer mehr weg“, bilanziert Anita Drawer die gesellschaftliche Entwicklung während ihrer Dienstjahre. „Langeweile in der Arbeitslosigkeit ist für Suchtkranke ein schlechter Berater. Es ist wichtig, weitere vielseitige Angebote zu schaffen, die Struktur geben und ein sinnhaftes Leben ermöglichen.“ Die Umsetzung der Tagesstätte liegt nun bei ihrer Nachfolgerin.

Auch wenn Anita Drawer schon viele Ideen für den Ruhestand hat, bleibt zum Abschied ein wenig Wehmut. „Die Bewohner sind mir sehr ans Herz gewachsen. Manche sind schon genauso lange hier wie ich“, sagt die 66-Jährige. Sie freue sich, dass mit Gesina Schwieger eine engagierte und hoch qualifizierte Nachfolgerin die Leitung des Immanuel Haus Molkenberg übernommen hat.

Weitere Informationen über das Immanuel Haus Molkenberg finden sie unter molkenberg.immanuel.de.

 
 
 
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